Avenula pratensis subsp. hirtifolia

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Stefan Lefnaer
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Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Beitragvon Stefan Lefnaer » Montag 21. Juni 2021, 07:43

Gestern fand ich auf der Hügelkette nördlich des Langen Thals östlich von Hollabrunn einen Wiesenhafer, ...

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...bei dem nicht nur die Laubblätter der Erneuerungssprosse...

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...sondern auch die Blattscheiden und Laubblätter der Blühtriebe dicht behaart waren:

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Von Homalotrichon pubescens, das nebenan auch wuchs, lassen sich diese Pflanzen durch die kurzen Haare im Ährchen abgrenzen:

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Aufgrund der Behaarung muss es sich um Avenula pratensis subsp. hirtifolia (= Helictochloa pratensis subsp. hirtifolia, Avenastrum pratense subsp. hirtifolium, Helictotrichon pratense subsp. hirtifolium) handeln, eine Unterart die in Fischer et al. (2008) den sinnigen deutschen Namen "Flaumiger Kahl-Wiesenhafer" trägt. Die Hauptverbreitung dieser Unterart soll in Mähren und der West-Slowakei liegen. Neben den stark behaarten Pflanzen fand ich auch solche bei denen die Blattscheiden der Blühtriebe kahl und die Laubblätter der Erneuerungssprosse schütterer behaart waren. Handelt es sich dabei Übergangsformen zu bzw. Hybriden mit A. p. subsp. pratensis? Oder ist die Behaarung doch nur eine Standortsmodifikante und die Unterarten taxonomisch wertlos? Wie handhabt ihr das? Reicht ein einziges Haar um A. p. subsp. hirtifolia aus einer Pflanze zu machen? Wie oft seht ihr überhaupt behaarte Pflanzen und wie stark sind diese behaart?

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Stefan Lefnaer
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Re: Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Beitragvon Stefan Lefnaer » Mittwoch 23. Juni 2021, 08:04

Hallo Leute,

keine Meinungen dazu? Hat noch nie jemand eine Avenula pratensis angesehen?

Ich habe mir nun meine anderen Belege aus dem Weinviertel angesehen und dort sind die Laubblätter und Blattspreiten der Erneuerungstriebe alle mehr oder weniger behaart. Demnach wäre das alles A. p. subsp. hirtifolia.

Zudem habe ich den Klíč übersetzt (hoffentlich korrekt):

Avenula pratensis subsp. pratensis

Čepele i pochvy listů sterilních výhonků lysé. Teplé oblasti Čechy roztroušený, v rozsáhlých územích (východní Čechy, větší část jižní Čechy) chybí

Blattspreiten und Blattscheiden steriler Triebe kahl. In den warmen Gebieten Böhmens zerstreut, in großen Gebieten (Ostböhmen, der größte Teil Südböhmens) fehlend.

Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Čepele i pochvy listů sterilních výhonků hustě krátce chlupaté, roztroušený chlupaté až olysalé. Jz. a j. Morava, na sever po Olomouc, roztroušený

Blattspreiten und Blattscheiden steriler Triebe dicht kurz behaart, vereinzelt behaart bis kahl. Südwest- und Südmähren, im Norden bis nach Olomouc, zerstreut.

Das würde nahelegen, dass im Weinviertel wirklich nur A. p. subsp. hirtifolia vorkommt. Kennt jemand von irgendwo kahle Exemplare? Was sagen die Oberösterreicher, Salzburger, Tiroler dazu? Dort kommt die Art ja vor. Es wäre ja naheliegend, dass dort A. p. subsp. pratensis wächst. Was sagen die Burgenländer, die Süd-Niederösterreicher, was wächst dort?

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Re: Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Beitragvon Oliver Stöhr » Mittwoch 23. Juni 2021, 20:13

Ich enthalte mich da vornehm, denn ich habe hier im Westen erst einmal A. pratensis gesehen und das war in Salzburg und schon rd 20 Jahre her; im Westen ist die Art ja sehr selten, wenn alle Angaben überhaupt stimmen. Und in Osttirol tritt sie nicht auf ;-)

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Re: Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Beitragvon kurt nadler » Mittwoch 23. Juni 2021, 23:06

vielleicht komme ich morgen dazu, einen eigenen komisch behaarten a. pratensis-verdachtsfall vom NO-leithagebirge zu analysieren.
die art pratensis kenne ich bislang nur aus dem südlichen waldviertel von kalk-halbtrockenrasen, wo sie typisch und prägend vorkommt. mit unterarten hatte ich mich bislang nicht beschäftigt.

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Re: Avenula pratensis subsp. hirtifolia

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 24. Juni 2021, 07:13

Durch googeln bin ich übrigens gerade draufgekommen, dass das Thema in der letzten Neilreichia behandelt wurde (Gilli, Barta, Bauer & Gutermann (2020)). Eigentlich peinlich, dass ich mich ein halbes Jahr, nachdem ich den Band gelesen hatte, nicht mehr daran erinnern konnte...

Jedenfalls kommt man dort prinzipiell zum selben Ergebnis wie ich: im Weinviertel und wahrscheinlich im ganzen Pannonikum herrscht A. p. subsp. hirtifolia vor. Der taxonomische Wert der Unterarten ist aber zweifelhaft. Aus meiner Sicht wird der Verdacht einer modifikativen Anpassung durch die Tatsache unterstützt, dass die von mir vorgefundenen sehr stark behaarten Pflanzen auf einer trockenen Böschungskante mit offenem Boden rundherum wuchsen, während die weniger behaarten alle in dichterer Vegetation standen.

Es wäre jedenfalls sinnvoll und der Erforschung zuträglich, wenn andere Forumsteilnehmer auch darauf achten würden.


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