Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
- Stefan Lefnaer
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Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Ich fange hier ein neues Thema an, um die reichhaltige Flora der Bahnstrecken zu dokumentieren. Andere mögen sich gerne anschließen.
Beginnen will ich mit dem nördlichen Ast der Ostbahn zwischen den Bahnhöfen Kottingneusiedl und Staatz. Neben der Strecke befindet sich hier ein breiter von einer Gebüschhecke gesäumter Streifen, der einige Raritäten beherbergt. Auf trockenen Flächen z.B. Artemisia pontica:
Stachys germanica (subsp. germanica) ist zwar nicht so selten, aber schön anzusehen:
In einem Graben sind salzerstragende Arten zu finden, wie Lotus maritimus (var. siliquosus)...
...und Lotus tenuis:
Der größte Schatz ist aber selbstverständlich Trinia kitaibelii (= T. ucrainica), ein Steppenroller mit osteuropäischer Verbreitung. Die in Österreich "vom Aussterben bedrohte" Art wurde 1960 von Melzer hier gefunden (vgl. Janchen (1977)). Letztes Wochenende konnten wir rund 30 blühende und ebenso viele vegetative Pflanzen zählen. Allerdings dürfte sie durch die Ausbreitung der Gebüsche und die zu hohe Vegetation gefährdet sein. Hier Fotos, Männchen:
Weibchen:
Beginnen will ich mit dem nördlichen Ast der Ostbahn zwischen den Bahnhöfen Kottingneusiedl und Staatz. Neben der Strecke befindet sich hier ein breiter von einer Gebüschhecke gesäumter Streifen, der einige Raritäten beherbergt. Auf trockenen Flächen z.B. Artemisia pontica:
Stachys germanica (subsp. germanica) ist zwar nicht so selten, aber schön anzusehen:
In einem Graben sind salzerstragende Arten zu finden, wie Lotus maritimus (var. siliquosus)...
...und Lotus tenuis:
Der größte Schatz ist aber selbstverständlich Trinia kitaibelii (= T. ucrainica), ein Steppenroller mit osteuropäischer Verbreitung. Die in Österreich "vom Aussterben bedrohte" Art wurde 1960 von Melzer hier gefunden (vgl. Janchen (1977)). Letztes Wochenende konnten wir rund 30 blühende und ebenso viele vegetative Pflanzen zählen. Allerdings dürfte sie durch die Ausbreitung der Gebüsche und die zu hohe Vegetation gefährdet sein. Hier Fotos, Männchen:
Weibchen:
- Jürgen Baldinger
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Re: Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Gute Sache. Siehe auch hier.
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
- Stefan Lefnaer
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Re: Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Na gut, als floristisch schönste Eisenbahnstrecke kann die Wiener U6 nicht ganz durchgehen. Aber trotzdem ist es interessant was in der Station Alser Straße so am Gleisbett sprießt. Erechtites hieraciifolius n :
Und dann eine Bonsai-Buddleja davidii n , die von den Zügen ständig fassoniert wird:
Und dann eine Bonsai-Buddleja davidii n , die von den Zügen ständig fassoniert wird:
- Hermann Falkner
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Re: Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Die Nordbahn-Strecke bei Gänserndorf ist auch bemerkenswert, wirlich schöner Fleck, hier war ja heuer am 04.05.2024 eine Vereinsexkursion.
Alyssum desertorum = turkestanicum ist von dort bekannt; als weitere Rarität haben wir aber auch Silene conica gesehen:
Ein Kuriosum ist eine riesige Fläche mit Salvia austriaca, die nur auf Ansalbung zurückgehen kann - muss wohl in einer Saatgutmischung dringewesen sein, gleich hinter dem Bahnhof Helmahof:
Und ein weiteres Kuriosum - offenbar ein natives Vorkommen, das uns Patrick Hacker gezeigt hat - ist schon für den Quadranten kartiert; gehört aber nicht mehr zur "Eisenbahnflora", das war im Wald dahinter, aber weil's so schön ist ... - Asplenium adiantum-nigrum:
Den Frachtenbahnhof Breitenlee kann man hierher "eigentlich" nicht mehr wirklich zählen, weil trotz weiterhin geringfügiger Nutzung durch die ÖBB der Charakter eines Bahnhofs längst verlorengegangen ist.
Und am ehemaligen Nordbahnhof ist dieser Charakter inzwischen auch weg - obwohl man in der "Freien Mitte" ein bissi versucht hat, den Schein eines "Gleisgartens" zu wahren (am Nordwestbahnhof wär hier vielleicht noch einiges zu entdecken).
Alyssum desertorum = turkestanicum ist von dort bekannt; als weitere Rarität haben wir aber auch Silene conica gesehen:
Ein Kuriosum ist eine riesige Fläche mit Salvia austriaca, die nur auf Ansalbung zurückgehen kann - muss wohl in einer Saatgutmischung dringewesen sein, gleich hinter dem Bahnhof Helmahof:
Und ein weiteres Kuriosum - offenbar ein natives Vorkommen, das uns Patrick Hacker gezeigt hat - ist schon für den Quadranten kartiert; gehört aber nicht mehr zur "Eisenbahnflora", das war im Wald dahinter, aber weil's so schön ist ... - Asplenium adiantum-nigrum:
Den Frachtenbahnhof Breitenlee kann man hierher "eigentlich" nicht mehr wirklich zählen, weil trotz weiterhin geringfügiger Nutzung durch die ÖBB der Charakter eines Bahnhofs längst verlorengegangen ist.
Und am ehemaligen Nordbahnhof ist dieser Charakter inzwischen auch weg - obwohl man in der "Freien Mitte" ein bissi versucht hat, den Schein eines "Gleisgartens" zu wahren (am Nordwestbahnhof wär hier vielleicht noch einiges zu entdecken).
- Jürgen Baldinger
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Re: Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Es ist natürlich eine nicht ernst zu nehmende Themenverfehlung, aber vielleicht ein kleiner netter Aspekt: Den noch weithin unbesiedelten Bahnkies bzw. -schotter beim jungen Wiener Hauptbahnhof scheint an dieser Stelle (Bahnsteig 9) als erstes Saxifraga tridactylites erreicht zu haben, wenn ich das richtig errate – ohne Brille und nur mit dem Telefon fotografiert. Oder irre ich mich?
"(...) gib ihnen noch zwei südlichere Tage (...)"
- Stefan Lefnaer
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Re: Die floristisch schönsten Eisenbahnstrecken
Sieht stark nach Saxifraga tridactylites aus. Das ist bekanntermaßen eine siderodromophile Art.
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