Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Sieht man sich die ZWÖ22 an, so stellt sich die Frage, weshalb Betula pubescens im Alpenraum laut Arbeitskarte anscheinend recht häufig und laut RLÖ22 "ungefährdet" ist, aber im Pannonikum sehr selten und "vom Aussterben bedroht". An der Temperatur ("Ti") kann es wohl nicht liegen, auch nicht an der Kontinentalität ("Ki"). Anscheinend gibt es im Pannonikum nicht genug bodensaure ("R3"), nährstoffarme ("N3"), feuchte bis nasse ("F8") und ausreichend besonnte ("L8") Wuchsorte. Oder es gibt sonstige einschränkende Faktoren, die in den Zeigerwerten nicht erfasst sind.
- Hermann Falkner
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Keine Ahnung, aber besonnt + zugleich feucht ist natürlich im Pannonikum keine häufige Kombination, ich hätt auf Anhieb gesagt, ausser Moosbrunn gibts da keine geeigneten Standorte, und die vorläufige Niklfeld-Karte würde das untermauern - wenn's nicht deinen Neufund gäbe!
Aber andrerseits sind die Feldbotaniker über Jahrzehnte vielleicht auch einfach ein "Opfer der Erwartungshaltung" geworden.
Ich kann natürlich nur für mich sprechen und ich bin im Feld so schwach, dass ich mich nicht Feldbotaniker nennen sollte:
Auch im Mühl- und Waldviertel ist Betula pubescens offenbar viel häufiger als von mir gedacht (lt Niklfeld-Karte). Wenn man nicht genau schaut, kann man die Moor-Birke sehr leicht übersehen, obwohl ein geschulteres Auge als ich schon an Habitus + Rinde "Verdacht" schöpfen könnte - aber ich war grad gestern im Tanner Moor, hab mir gezielt auch die Moor-Birke angeschaut - und festgestellt, dass ich sie von weitem unmöglich von Betula pendula unterscheiden kann.
Selbst aus der Nähe ist der Flaum jetzt im Spätsommer nicht mehr gut zu sehen, bei frischen Trieben nach Stockausschlag wohl noch etwas besser.
Ich seh sie halt auch nicht oft, kommt dazu.
Vielleicht hab ich sie im Mühlviertel also auch schon viel öfter gesehen als gedacht, aber einfach für B. pendula gehalten.
Sprich ich muss meine Erwartungshaltung ändern - grad wenn's Feuchtezeiger gibt (selbst wenn aktuell eher trockener Boden ;-) lohnt vielleicht, Birken auf B. pubescens hin zu checken.
Was deinen (tollen!) Fund betrifft - ja klar, sowohl Ansalbung als auch Anpflanzung sind höchst unwahrscheinlich und es lohnt vielleicht, in der HMF und anderswo Moor-Birken zu suchen - ist halt wie die Stecknadel im Heuhaufen!
Aber andrerseits sind die Feldbotaniker über Jahrzehnte vielleicht auch einfach ein "Opfer der Erwartungshaltung" geworden.
Ich kann natürlich nur für mich sprechen und ich bin im Feld so schwach, dass ich mich nicht Feldbotaniker nennen sollte:
Auch im Mühl- und Waldviertel ist Betula pubescens offenbar viel häufiger als von mir gedacht (lt Niklfeld-Karte). Wenn man nicht genau schaut, kann man die Moor-Birke sehr leicht übersehen, obwohl ein geschulteres Auge als ich schon an Habitus + Rinde "Verdacht" schöpfen könnte - aber ich war grad gestern im Tanner Moor, hab mir gezielt auch die Moor-Birke angeschaut - und festgestellt, dass ich sie von weitem unmöglich von Betula pendula unterscheiden kann.
Selbst aus der Nähe ist der Flaum jetzt im Spätsommer nicht mehr gut zu sehen, bei frischen Trieben nach Stockausschlag wohl noch etwas besser.
Ich seh sie halt auch nicht oft, kommt dazu.
Vielleicht hab ich sie im Mühlviertel also auch schon viel öfter gesehen als gedacht, aber einfach für B. pendula gehalten.
Sprich ich muss meine Erwartungshaltung ändern - grad wenn's Feuchtezeiger gibt (selbst wenn aktuell eher trockener Boden ;-) lohnt vielleicht, Birken auf B. pubescens hin zu checken.
Was deinen (tollen!) Fund betrifft - ja klar, sowohl Ansalbung als auch Anpflanzung sind höchst unwahrscheinlich und es lohnt vielleicht, in der HMF und anderswo Moor-Birken zu suchen - ist halt wie die Stecknadel im Heuhaufen!
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kurt nadler
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Wir finden Moorbirken immer wieder in Flussau-/Feuchtgebieten des Pannonikums, des weiteren oftmals in Städten, dort gepflanzt. Verbreitet ist sie im Leithagebirge, wo es ja auch Bruchwälder gibt. Die Diagnose erfolgt im Regelfall über Rindenform und Kronenform. Dabei ist aber davon auszugehen, dass oftmals Hybriden mit pendula vorliegen können.
Im iNat. poste ich sie als B. pubescens oder als Betula, wenn der Hybridcharakter erhöht wahrscheinlich ist.
(Hybriden kommen im Böhmischen Massiv auch immer wieder auf trockenen Standorten vor.)
Im iNat. poste ich sie als B. pubescens oder als Betula, wenn der Hybridcharakter erhöht wahrscheinlich ist.
(Hybriden kommen im Böhmischen Massiv auch immer wieder auf trockenen Standorten vor.)
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Auch im Hollabrunner Wald gibt es entlang einer Forststraße nun Erigeron sumatrensis n — L8 T9 K4 F5 R7 N7 S1 . Oder besser gesagt: gab. Das schöne Pflänzchen hatte die Ehre sozusagen in die Annalen einzugehen und wird ein feines Plätzchen im Herbar finden.
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Was man im Hollabrunner Wald sonst noch so nicht finden kann: https://www.derstandard.at/story/300000 ... hollabrunn
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Hier ein Viola-Update von der Südabdachung der "Hohen Berge" nördlich von Ladendorf. An einem Gebüschrand die hübsche Kombination von Viola odorata LC — L5 T6 Ki F5 ~ R7 N6 S0 und Viola alba subsp. scotophylla LC — L5 T6 K4 F5 ~ R6 N5 S0 :
Nächstbei in einer trockenen Wiese Viola suavis LC — L6 T7 K6 F4 ~ R7 N6 S0 :
Dann am Waldrand nochmals Viola alba subsp. scotophylla LC — L5 T6 K4 F5 ~ R6 N5 S0 :
Nächstbei in einer trockenen Wiese Viola suavis LC — L6 T7 K6 F4 ~ R7 N6 S0 :
Dann am Waldrand nochmals Viola alba subsp. scotophylla LC — L5 T6 K4 F5 ~ R6 N5 S0 :
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Nördlich von Herzogbirbaum ein prächtiges Vorkommen von Ficaria verna s.str. LC — Li T5 K3 F6 R7 N7 S0 . Entlang eines Bachs, die HMF bzw. den Glasweiner Wald sieht man aber immerhin am zweiten Foto im Hintergrund.
Nördlich von Herzogbirbaum gibt es Vorkommen von Adonis vernalis VU — L7 T7 K8 F3 R8 N2 S0 , einer sonst im zentralen Weinviertel seltenen Art. Das erste liegt direkt am Waldrand auf einer trockenen Wiese. Diese wird nicht speziell gepflegt oder geschützt aber immerhin regelmäßig gemäht oder gemulcht.
Das zweite Vorkommen liegt weiter südlich auf einer Geländestufe, die einen akut durch Verbuschung, Eutrophierung und Ruderalisierung bedrohten Halbtrockenrasen beherbergt:
Gesucht habe ich eigentlich Viola ambigua VU — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 . Auf den Halbtrockenrasen habe ich sie nicht gefunden. Aber dann fanden sich doch noch ein paar Pflänzchen auf einem grasigen Feldweg:
Nördlich von Herzogbirbaum gibt es Vorkommen von Adonis vernalis VU — L7 T7 K8 F3 R8 N2 S0 , einer sonst im zentralen Weinviertel seltenen Art. Das erste liegt direkt am Waldrand auf einer trockenen Wiese. Diese wird nicht speziell gepflegt oder geschützt aber immerhin regelmäßig gemäht oder gemulcht.
Das zweite Vorkommen liegt weiter südlich auf einer Geländestufe, die einen akut durch Verbuschung, Eutrophierung und Ruderalisierung bedrohten Halbtrockenrasen beherbergt:
Gesucht habe ich eigentlich Viola ambigua VU — L8 T7 K6 F3 R8 N3 S0 . Auf den Halbtrockenrasen habe ich sie nicht gefunden. Aber dann fanden sich doch noch ein paar Pflänzchen auf einem grasigen Feldweg:
- Stefan Lefnaer
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Re: Die Wälder der Hollabrunn-Mistelbach-Formation
Laut Arbeitskarte der FKÖ tritt Cardamine bulbifera LC — L4 T5 K5 F5 R7 N6 S0 im Weinviertel ausschließlich in Qu. 7564-4 (nämlich am Glockenberg) sowie in Qu. 7665-1 (vermutlich im Hochleithenwald) auf. 2024 fand ich ein Einzelindividuum im Schwarzwald bei Hollabrunn in Qu. 7462-4, also viel weiter nordwestlich als die bisher bekannten Vorkommen. Damals dachte ich an eine Verschleppung durch Forstmaschinen o.ä. Heute fand in der Nähe des Einzelfundes jedoch eine Population mit hunderten bis tausenden Pflanzen. Das Vorkommen befindet sich auf einer Kuppe im Wald, vor allem an deren nach Norden abfallender Flanke. Diese ist mit Buchen, die dort natürlich auftreten könnten, aber auch mit aufgeforsteten und teilweise absterbenden Rot-Föhren bestockt. Ich schwanke also immer noch, ob es sich um ein indigenes Vorkommen handelt. Es spricht aber vieles dafür: die Wienerwald-Vorkommen sind nur rund 25 km entfernt und die Nordflanke der Kuppe ist etwas feuchter und atlantischer geprägt als der restliche Wald. Zumal kann der umgebende Wald ein passendes Mikroklima für die K5-Art im Weinviertel schaffen. Außerdem treten dort im Wald weitere Arten mit teilweise ähnlichen Ansprüchen auf (z.B. Petasites hybridus, Potentilla sterilis und Stachys alpina), die man im Weinviertel auch eher nicht erwarten würde. Nachfolgend ein paar Fotos vom Fundort:
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