Xerothermer Wald bei Schrick

= Blütenpflanzen
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Stefan Lefnaer
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Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Montag 3. Juni 2019, 17:48

Liebe Leute,

vor zwei Wochen habe ich in Quadrant 7465-4 (Schrick, Bezirk Mistelbach) kartiert. Ganz zum Schluss suchte ich noch einen unscheinbar aussehenden Wald auf und wurde positiv überrascht. Gestern war ich nochmals dort um mir den Wald genauer anzusehen. Es handelt sich um einen trocken-warmen Eichenwald in Hanglage. In der Krautschicht findet man passende Arten wie Dictamnus albus...

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...und Clematis recta:

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Allerdings wachsen stellenweise auch nährstoffzeigende Ruderalpflanzen wie Chelidonium majus, Urtica dioica und Galium aparine (s. str.). Die Überdüngung des Bodens, der diese Pflanzen fördert, könnte auf den oberhalb anstoßenden Robienienforst, die ebenfalls teilweise oberhalb liegenden gedüngten Äcker oder auf Stickstoffemissionen, die durch den Verkehr mit Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor erzeugt werden (die Nordautobahn führt in der Nähe vorbei), zurückgeführt werden.

Als Gräser sind standortstypisch u.a. Elymus caninus...

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...und Bromus benekenii zu finden:

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Etwas selteneres ist Piptatherum virescens (= Oryzopsis virescens), ein submediterranes Süßgras, das wie ein Panicum capillare, dem geschlängelte Grannen auf den Spitzen der Deckspelzen gewachsen sind, aussieht. Janchen (1977) schreibt: "Lichte Wälder, Holzschläge und Gebüsche; im pannon. Gebiet; s. zerstr. - NÖ.: Mitterberg bei Baden, Pfaffenberg und Hundsheimer Berg, Hochleitenwald bei Wolkersdorf, Plattwald bei Hausbrunn (westl. v. Hohenau), Ladenbrunner Wald (nördl. v. Asparn a. d. Zaya)." Also nichts in der direkten Nähe meines Fundorts. Hier Fotos:

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Zudem fand ich größere Bestände von Phlomis tuberosa. Die meisten Pflanzen haben nur Grundblätter mit der typischen fast rechteckigen Stielbucht ausgebildet. Lediglich eine Pflanze hat einen Blütenstand entwickelt, der aber noch nicht aufgeblüht ist. Vermutlich findet die Art keine idealen Wuchsbedingungen (mehr) vor und blüht daher nicht. Wie man auf den Fotos sieht, ist der Wald ziemlich dunkel, wohl zu dunkel für eine Art der Halbtrockenrasen und Waldsäume. Im Franziszeischen Kataster ist der Wald deutlich kleiner eingezeichnet und war damals teilweise eine Weide (der Rest vielleicht eine naturgemäß lichtere Waldweide). Janchen (1977) gibt "Höbersbrunn (südl. v. Mistelbach)" als Fundort an. Diese Ortschaft liegt in der näheren Umgebung meines Fundorts. Jürgen fand die Art 2016 in Nachbarquadrant 7565-1 (siehe hier). Möglicherweise gibt es noch weitere Vorkommen in der Gegend. Hier noch Fotos vom Vorkommen:

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Schöne Grüße
Stefan

kurt nadler
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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon kurt nadler » Sonntag 7. Juli 2019, 17:04

danke für die infos zu piptatherum. in breitenbrunn ists "was normales" in thermophilem kalk-eichenwald. auch in meinem hof im orstzentrumsbereich wächsts.
aber sonst noch nirgends gesehen, auch nicht die jetzten jahrzehnte am spitzerberg (wo allerdings der lebensraumtyp thermophiler kalk-eichenwald gänzlich fehlt). umso interessanter die fundortsangaben von den westlichen hainburger bergen.

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Stefan Lefnaer
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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Freitag 4. Juli 2025, 22:48

Heute ein Quadrant weiter westlich, in einem trocken-warmen Wald nächst Paasdorf: einige Horste von Achnatherum virescens (= Piptatherum virescens)  NT  —  L5   T7   K7   F4     R7   N4   S0  neu für Qu. 7465-3:

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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 14. Mai 2026, 20:46

2019 habe ich über einen interessanten xerothermen Wald bei Schrick berichtet, siehe ganz oben und hier. Heute war ich wieder dort und habe mir das Wäldchen angesehen. Erfreulicherweise wird dieses (noch) traditionell als Mittelwald bewirtschaftet. In einer Parzelle wurde kürzlich der Unterstand ausgeräumt bzw. auf Stock gesetzt:

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In der Parzelle daneben dürfte dies vor wenigen Jahren passiert sein. Man kann hier gut die Stockausschläge der Eichen erkennen:

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Das Auslichten wirkt sich positiv auf die Flora aus, da jenes eine ähnliche Wirkung haben dürfte, wie der Einfluß der Großherbivoren in früherer Zeit. Pflanzenarten, die ursprünglich in der Waldsteppe beheimatet waren und ein Mosaik aus Wald und Offenland bevorzugen, bekommen dadurch für einen bestimmten Zeitraum wieder mehr Licht.

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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 14. Mai 2026, 20:50

Dictamnus albus  VU  —  L7   T8   K7   F3     R8   N2   S0  profitiert offensichtlich von der Auflichtung und blüht prächtig:

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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 14. Mai 2026, 20:55

Bei Phlomoides tuberosa  EN  —  L8   T7   K8   F3     R8   N3   S0  ist es noch zu früh, um etwas sagen zu können, da alle Vorkommen in der gerade erst abgestockten Parzelle liegen. Bis auf ein Vorkommen, wo der Wald in letzter Zeit gar nicht abgestockt wurde, siehe das letzte Foto. Zur Zeit fand ich jedenfalls nur vegetative Individuen vor, es kann also eigentlich nur besser werden.

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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 14. Mai 2026, 21:00

An einigen Stellen schöne Horste von Achnatherum virescens  NT  —  L5   T7   K7   F4     R7   N4   S0 :

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Re: Xerothermer Wald bei Schrick

Beitragvon Stefan Lefnaer » Donnerstag 14. Mai 2026, 21:02

Dazwischen kommen durch die stärkere Besonnung auch etwas ruderale Arten wie Cynoglossum officinale  LC  —  L8   T6   Ki   F4  ~  R7   N7   S1 ...

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...und Reseda luteola  LC  —  L8   T7   Ki   F4     R8   N6   S0  auf, was aber nicht stören dürfte:

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