Ludwigia grandiflora s.lat. in der Steiermark

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Norbert Griebl
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Ludwigia grandiflora s.lat. in der Steiermark

Beitragvon Norbert Griebl » Donnerstag 30. Juli 2026, 17:29

Liebes Forum,

es gibt Funde, da weiß man nicht, ob man sich freuen soll oder nicht. Ein solcher war gestern Ludwigia grandiflora s.lat. am Ehrenteich bei Oberrakitsch in der Süd-Steiermark, wo fast das gesamte Ufer von dieser Art bewachsen war.
Nun näher zu der Art:
Das Großblütige Heusenkraut (Ludwigia grandiflora s.lat., inkl. L. hexapetala) stammt aus den Feuchtgebieten Amerikas. 1823 gelangte das Nachtkerzengewächs in den Botanischen Garten von Montpellier, und schon 1830 wurde die Art erstmals verwildert in einem nahe gelegenen Fließgewässer nachgewiesen (Dandelot 2004). Ab 1835 fand sie als attraktive Wasserpflanze Eingang in Botanische Gärten Deutschlands. Die Vermehrung erfolgt in Europa überwiegend vegetativ, da sich die Art hier meist nur über Sprossfragmente ausbreitet (Kasselmann 2010). Diese werden durch fließendes Wasser, Wasservögel, andere Tiere oder an Booten haftend verschleppt (Dandelot 2004). Ludwigia grandiflora sondert allelopathisch wirksame Stoffe ab, welche das Wachstum konkurrierender Pflanzen hemmen und ihr die Ausbildung ausgedehnter Dominanzbestände ermöglichen.
Heute zählt Ludwigia grandiflora zu den problematischen invasiven Wasserpflanzen Europas (Hussner & Starfinger 2015). Lange Zeit wurde sie als attraktive Zierpflanze für Garten- und Schwimmteiche kultiviert, ehe ihr enormes Ausbreitungspotenzial erkannt wurde. Seit 2016 ist sie in der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten der Europäischen Union geführt und darf weder gehalten, gezüchtet, gehandelt noch in die Umwelt freigesetzt werden (Nehring & Skowronek 2023). Auch in der Schweiz steht sie auf der „Schwarzen Liste“ invasiver Arten. Bereits vor Inkrafttreten der EU-Verordnung bemühte sich der Fachhandel um eine freiwillige Einstellung des Verkaufs von Wasserpflanzen mit invasivem Potenzial (Ploeg 2018). Dennoch gelangen immer wieder Pflanzen in den Handel. So konnte Lugmair (2021) den Verkauf einer als „Wasserludwigia, Jussiea grandiflora“ ausgezeichneten Pflanze in einer Staudengärtnerei dokumentieren, die anschließend an einem Gartenteich in Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) ausgepflanzt wurde.
In Österreich wurde Ludwigia grandiflora erstmals 2016 in einem Dominanzbestand an einem 2006 angelegten Teich bei Valtau nahe St. Marienkirchen an der Polsenz in Oberösterreich nachgewiesen (Lugmair 2021). Da sich in unmittelbarer Nähe ein Zufluss des Valtauer Bachs befindet, besteht dort die Gefahr einer weiteren Ausbreitung über Polsenz, Innbach und schließlich die Donau (Lugmair 2021). Der Bestand am Ehrenteich bei Oberrakitsch stellt den Erstnachweis für die Steiermark dar. Die Art besiedelt dort nahezu den gesamten Uferbereich des Gewässers, sodass davon auszugehen ist, dass sie bereits seit mehreren Jahren unbemerkt vorhanden ist (Griebl 2026).
Nach den frühen Verwilderungen in Frankreich wurde Ludwigia grandiflora in zahlreichen weiteren europäischen Ländern nachgewiesen. In Deutschland stammt die erste Angabe aus dem Jahr 1950 bei Kirn in Rheinland-Pfalz (GBIF 2013). Weitere Vorkommen wurden unter anderem ab 2004 an einem Altarm der Leda in Niedersachsen festgestellt, dort jedoch erfolgreich beseitigt (Nehring & Kolthoff 2011, Hussner & Starfinger 2015, Hussner & al. 2016). Seit 2011 ist die Art außerdem aus dem Röhmsee in Baden-Württemberg bekannt (Nehring & Kolthoff 2011). Ein 2019 entdeckter, vermutlich angesalbter Bestand im Dorfteich von Schlauroth bei Görlitz in Sachsen wurde vollständig entfernt (Wünsche & al. 2020).
In der Schweiz trat das Großblütige Heusenkraut erstmals 2002 bei Genf verwildert auf. Weitere Nachweise stammen aus den Jahren 2012 und 2015 aus Wipkingen im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2024). Darüber hinaus ist die Art unter anderem seit 1983 aus Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1993 aus den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 2005 aus Ungarn (Seebens & al. 2017) und seit 2009 aus Irland (Seebens & al. 2017) bekannt.
Besonders problematisch ist die Situation in Frankreich, wo sich Ludwigia grandiflora vor allem im Mittelmeerraum und im Westen des Landes lokal stark ausgebreitet hat (Hassler 2021). Im Naturpark Brière besiedelt die Art inzwischen großflächig im Winter überflutetes Niedermoorgrünland (Haury & al. 2011). Dort konnte nachgewiesen werden, dass die Verschleppung auf ein zwischen verschiedenen Einsatzorten nicht gereinigtes Mähwerk zurückging. Auch Grabenfräsen, Angler sowie Wasservögel tragen wesentlich zur weiteren Ausbreitung bei. Aufgrund der ökologischen und wirtschaftlichen Schäden wurde in Großbritannien ein nationaler Aktionsplan zur vollständigen Ausrottung der Art erarbeitet.

Das Großblütige Heusenkraut wurde 1803 vom französischen Botaniker André Michaux erstmals wissenschaftlich beschrieben (Michaux 1803). Er stellte die Art in die damals anerkannte Gattung Jussiaea und gab ihr den Namen Jussiaea grandiflora. Die Gattung Jussiaea wurde während des 19. und eines großen Teils des 20. Jahrhunderts für zahlreiche wasserlebende Arten der Nachtkerzengewächse verwendet. Erst neuere systematische Untersuchungen zeigten, dass sich Jussiaea nicht sinnvoll von der Gattung Ludwigia abgrenzen lässt. Werner Greuter und Hervé Maurice Burdet überführten die Art deshalb 1987 in die Gattung Ludwigia, wodurch der heute gültige Name Ludwigia grandiflora (Michx.) Greuter & Burdet entstand (Greuter & Burdet 1987).
Damit war die nomenklatorische Geschichte der Art jedoch noch nicht abgeschlossen. Im 20. Jahrhundert wurden die großblütigen Wasser-Ludwigien meist unter dem Namen Ludwigia uruguayensis zusammengefasst, sodass auch die in Europa verwilderten Pflanzen überwiegend unter dieser Bezeichnung bekannt wurden. Erst die taxonomische Revision von Zardini, Gu & Raven (1991) zeigte anhand morphologischer und zytologischer Untersuchungen, dass sich hinter diesem Formenkomplex zwei unterschiedliche Sippen verbergen. Die Autoren trennten den bisherigen Ludwigia uruguayensis-Komplex in eine hexaploide Art (2n = 48), für die aufgrund des Prioritätsprinzips der ältere Name Ludwigia grandiflora heranzuziehen war, und eine decaploide Art (2n = 80), die als Ludwigia hexapetala bezeichnet wurde. Dadurch wurde zugleich deutlich, dass Jussiaea grandiflora den prioritätsberechtigten Namen für eine der beiden Sippen darstellt, während Ludwigia uruguayensis heute überwiegend als Synonym angesehen wird.
Diese Auffassung wurde jedoch nicht von allen Bearbeitern übernommen. Nesom & Kartesz (2000) bewerteten die Unterschiede zwischen beiden Sippen als nicht ausreichend für eine Trennung auf Artniveau und führten Ludwigia hexapetala wieder als Ludwigia grandiflora subsp. hexapetala. Zahlreiche Florenwerke und Arbeiten zur Invasionsbiologie folgen bis heute diesem Unterartenkonzept, während andere taxonomische Bearbeitungen, darunter Plants of the World Online (POWO 2026), beide Sippen als eigenständige Arten behandeln.
Die Pflanzen vom Ehrenteich bei Oberrakitsch besitzen relativ zottig behaarte Sprosse und überwiegend lanzettliche, etwa in der Blattmitte am breitesten entwickelte Laubblätter. Eine eindeutige Zuordnung zu einer der beiden Sippen ist deshalb nicht möglich. Da sich die diagnostischen Merkmale teilweise überschneiden und für eine sichere Bestimmung weiterführende Untersuchungen – insbesondere zytologische oder molekulargenetische Analysen – erforderlich wären, wird das Vorkommen vorerst als Ludwigia grandiflora sensu lato behandelt. Dieser weit gefasste Artbegriff umfasst sowohl Ludwigia grandiflora im engeren Sinn als auch die teilweise als eigenständige Art anerkannte Ludwigia hexapetala.

Quellen:
DANDELOT S. (2004): Les Ludwigia spp. invasives du Sud de la France: Historique, Biosystématique, Biologie et Wcologie – Aix-Marseille (Universitiy Aix-Marseille-III – PhD Thesis): 207 S.
DANDELOT, S., MATHERON, R., LE PETIT, J., VERLAQUE, W. & CAZAUBON, A. (2005): Variations temporelles des paramètres physicochimiques et microbiologiques de trois écosystèmes aquatiques (Sud-Est de la France) envahis par des Ludwigia spp. Comptes Rendus Biologies 328: 991-999.
EU-AMTSBLATT (2016): Durchführungsverordnung der EU-Kommission vom 13. Juli 2016 zur Annahme einer Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014.
FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – http://www.verspreidingsatlas.nl
GBIF (GLOBAL BIODERVISITY INFORMATION FACILITIY)(2013): Records of Ludwigia grandiflora (Michx.) Greuter & Burdet from ZFMK Hymenoptera collection.
GREUTER W. & BURDET H. M. (1987): Ludwigia grandiflora (Michx.) Greuter & Burdet. – Willdenowia 16: 448.
HASSLER M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021
HASSLER M. & MUER T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.
HAURY J., NOËL N., BOZEC M., COUDREUSE J., GUIL J., MARREL G., MAISONNEUVE J. & J. DAMIEN (2011): Importance or Ludwigia grandiflora as invasive weed on meadows and pastures in Western France. Author manuscript, published in „3rd International Symposium on Weeds and Invasive Plants, Ascona (CH)“
HUSSNER A.& STARFINGER U. (2015): Zur Kenntnis der Biologie des aquatischen Neophyten Ludwigia grandiflora. — Florist. Rundbriefe 48/49 (2014/15): 1–12
HUSSNER A., WINDHAUS M. & STARFINGER U. (2016): From weed biology to successful control: an example of successful management of Ludwigia grandiflora in Germany – Weed Research 56: 434 – 441.
INFOFLORA (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/
KASSELMANN, C. (2010): Aquarienpflanzen, 3. Aufl. Ulmer, Stuttgart: 606 S.
LUGMAIR A. (2021): in KLEESADL G. & SCHRÖCK C. (Eds.): Floristische Kurzmitteilungen 01 (2021) – Stapfia 112: 225-253.
Michaux A. (1803): Flora Boreali-Americana, sistens caracteres plantarum quas in America septentrionali collegit et detexit Andreas Michaux. Tomus I. Fratres Levrault, Parisiis et Argentorati, S. 267. (Erstbeschreibung als Jussiaea grandiflora Michx.)
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NEHRING S. & S. SKOWRONEK. (2023): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022 (bsz-bw.de) BfN-Schriften 654-2023
NEOBIOTA (2016): Neobiota in Österreich - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. http://www.neobiota-austria.at/ms/neobi ... biota_imp/
Nesom G. L. & Kartesz J. T. (2000): Observations on the Ludwigia uruguayensis Complex (Onagraceae) in the United States. – Castanea 65(2): 123–125.
PLOEG A. (2008): Invasive species in our industry? OFI Ornamental Fish International Journal 58: 21-25.
POWO (2026): Plants of the World Online. Royal Botanic Gardens, Kew. Ludwigia grandiflora (Michx.) Greuter & Burdet.
SEEBENS H., BLACKBURN T. M., DYER E. E., GENOVESI P., HULME P. E., JESCHKE J. M., PAGAD S., PYŠEK P., WINTER M., ARIANOUTSOU M., BACHER S., BLASIUS B., BRUNDU G., CAPINHA C., CELESTI-GRAPOW L., DAWSON W., DULLINGER S., FUENTES N., JÄGER H., KARTESZ J., KENIS M., KREFT H., KÜHN I., LENZNER B., LIEBHOLD A., MOSENA A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).
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WÜNSCHE A. E., GEBAUER P., HARDTKE H.-J. & H.-W. OTTO (2020): Bemerkenswerte floristische Beobachtungen 2019 in Oberlausitz und Elbhügelland – Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz 29: 159-172.
Zardini, E. M., Gu, H. & Raven, P. H. (1991): On the Separation of Two Species within the Ludwigia uruguayensis Complex (Onagraceae). Systematic Botany 16: 242–244.

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Norbert Griebl
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Re: Ludwigia grandiflora s.lat. in der Steiermark

Beitragvon Norbert Griebl » Donnerstag 30. Juli 2026, 17:32

2. Teil
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