Carex melanostachya
- Stefan Lefnaer
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Carex melanostachya
Liebes Forum,
am Bahnhof Floridsdorf, auf einer ruderalen Eisenbahnböschung unter einem Fernwärmeleitungsrohr, fand ich heute eine Carex mit der ich nicht ganz zurechtkomme. Es handelt sich um eine verschiedenährige Segge mit drei Narben und kahlen Schläuchen. Bis Punkt 90 im Schlüssel bin ich mir recht sicher, dann nicht mehr, auch da die Früchte noch nicht reif sind. Am ehesten komme ich zu Carex melanostachya, die ja in Wien unbeständig auftritt, laut Wien-Flora auch auf Bahnhöfen. Kennt jemand die Art(en) und kann etwas dazu sagen. Hier die Bilder:
Fundort:
Habitus/Blütenstand:
Männliche Ähren:
Weibliche Ähre:
Der Schlauch liegt der Frucht nicht eng an, aber die Frucht ist noch unreif und wächst vermutlich noch. Mir erscheint der Schlauch jedenfalls nicht dünn-durchscheinend:
Laubblattscheiden, netzig aufreißend:
Laubblattgrund, ich kann Querverbindungen erkennen, aber ist das gitternervig?
Stängelquerschnitt:
Schöne Grüße,
Stefan
am Bahnhof Floridsdorf, auf einer ruderalen Eisenbahnböschung unter einem Fernwärmeleitungsrohr, fand ich heute eine Carex mit der ich nicht ganz zurechtkomme. Es handelt sich um eine verschiedenährige Segge mit drei Narben und kahlen Schläuchen. Bis Punkt 90 im Schlüssel bin ich mir recht sicher, dann nicht mehr, auch da die Früchte noch nicht reif sind. Am ehesten komme ich zu Carex melanostachya, die ja in Wien unbeständig auftritt, laut Wien-Flora auch auf Bahnhöfen. Kennt jemand die Art(en) und kann etwas dazu sagen. Hier die Bilder:
Fundort:
Habitus/Blütenstand:
Männliche Ähren:
Weibliche Ähre:
Der Schlauch liegt der Frucht nicht eng an, aber die Frucht ist noch unreif und wächst vermutlich noch. Mir erscheint der Schlauch jedenfalls nicht dünn-durchscheinend:
Laubblattscheiden, netzig aufreißend:
Laubblattgrund, ich kann Querverbindungen erkennen, aber ist das gitternervig?
Stängelquerschnitt:
Schöne Grüße,
Stefan
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Oliver Stöhr
- Beiträge: 3501
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Re: Carex sp.
Hallo Stefan!
Schaut gut aus, obwohl ich C. melanostachya noch nicht recht oft gesehen habe - aber auch wenn man sich die anderen Carex-Arten nach Schlüsselpunkt 90 in der EFÖLS durchschaut (und diese kennt), kann es eigentlich nur diese Art sein ;-)
Viele Grüße
Oliver
Schaut gut aus, obwohl ich C. melanostachya noch nicht recht oft gesehen habe - aber auch wenn man sich die anderen Carex-Arten nach Schlüsselpunkt 90 in der EFÖLS durchschaut (und diese kennt), kann es eigentlich nur diese Art sein ;-)
Viele Grüße
Oliver
Re: Carex sp.
Liebe Freunde,
C. melanostachya hab ich laut meiner Aufzeichnungen 2013 am Fuß des Goldbergs bei Schützen (Burgenland) am Strassenrand bestimmt, ich kann mich dunkel erinnern, daß die oberen Ähren wie "verbrannt" ausgeschaut haben. Offenbar eine seltenere Art!
Wolf
C. melanostachya hab ich laut meiner Aufzeichnungen 2013 am Fuß des Goldbergs bei Schützen (Burgenland) am Strassenrand bestimmt, ich kann mich dunkel erinnern, daß die oberen Ähren wie "verbrannt" ausgeschaut haben. Offenbar eine seltenere Art!
Wolf
- Hermann Falkner
- Beiträge: 1993
- Registriert: Sonntag 23. Oktober 2016, 20:16
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Re: Carex sp.
Ich hab mir die (hervorragenden!) Makroaufnahmen und die Schlüsselpunkte aus der Flora ab #90 genauer angesehen - muss aber anmerken, dass ich ein regelrechter Seggenmuffel bin, vielleicht hilft aber mein "naiver" Blick trotzdem. Ich wär anhand der Bilder ohne weiteres bei Carex melanostachya gelandet, Begründung wie folgt:
Pkt 90-: Schnabel am Schlauch offenbar kürzer oder jedenfalls nicht länger als 1 mm; wohl kaum dünnhäutig; enganliegend noch schwer beurteilbar wie du schreibst; DeckB rot- bis schwarzbraun; zu den Komtrastmerkmalen bei 90+: die LB-Scheiden sind nicht streng parallelnervig, aber gitternervig auch nicht; Deckblätter sind länger als der Schlauch, alles spricht für 90-
Pkt 92: die Längsnerven am Schlauch sind ganz deutlich eingesenkt und die zerfasernden Blattscheiden sind gut erkennbar; was die Beurteilung der Schlauchform betrifft, bin ich aber viel zu "grün" bei Seggen, da tu ich mir sehr schwer
> die beiden Arten unter 91 passen gar nicht, rostrata blau- graugrün, Blattscheiden nur schwach zerfasernd, abrupt verschmälerter Schlauch (liegt hier wohl nicht vor); vesicaria mit viel grösseren Schläuchen, Blattscheiden netzig zerfasernd auch bei dieser angegeben, so wie für melanostachya, aber die grossen Schläuche plus die 90er-Merkmale sprechen gegen diese
> die beiden Arten unter 93 könnens auch kaum sein, sicherlich nicht riparia; acutiformis würde gemäss Schlüssel weniger differieren, hat aber deutlich breitere Blätter, Schlauch nur wenig grösser als für melanostachya, aber plattgedrückt, was hier nicht zutrifft, zusätzlich natürlich noch die Merkmale unter 92 gegen diese Art
Sprich - C. Melanostachya wäre dann auch der korrekte Befund?! - würde auch von den Habitatangaben viel besser passen
Pkt 90-: Schnabel am Schlauch offenbar kürzer oder jedenfalls nicht länger als 1 mm; wohl kaum dünnhäutig; enganliegend noch schwer beurteilbar wie du schreibst; DeckB rot- bis schwarzbraun; zu den Komtrastmerkmalen bei 90+: die LB-Scheiden sind nicht streng parallelnervig, aber gitternervig auch nicht; Deckblätter sind länger als der Schlauch, alles spricht für 90-
Pkt 92: die Längsnerven am Schlauch sind ganz deutlich eingesenkt und die zerfasernden Blattscheiden sind gut erkennbar; was die Beurteilung der Schlauchform betrifft, bin ich aber viel zu "grün" bei Seggen, da tu ich mir sehr schwer
> die beiden Arten unter 91 passen gar nicht, rostrata blau- graugrün, Blattscheiden nur schwach zerfasernd, abrupt verschmälerter Schlauch (liegt hier wohl nicht vor); vesicaria mit viel grösseren Schläuchen, Blattscheiden netzig zerfasernd auch bei dieser angegeben, so wie für melanostachya, aber die grossen Schläuche plus die 90er-Merkmale sprechen gegen diese
> die beiden Arten unter 93 könnens auch kaum sein, sicherlich nicht riparia; acutiformis würde gemäss Schlüssel weniger differieren, hat aber deutlich breitere Blätter, Schlauch nur wenig grösser als für melanostachya, aber plattgedrückt, was hier nicht zutrifft, zusätzlich natürlich noch die Merkmale unter 92 gegen diese Art
Sprich - C. Melanostachya wäre dann auch der korrekte Befund?! - würde auch von den Habitatangaben viel besser passen
- Stefan Lefnaer
- Beiträge: 4364
- Registriert: Sonntag 18. September 2016, 21:41
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Re: Carex melanostachya
Liebe Leute,
am Samstag traf ich auf einer Exkursion Karl Oswald und bat ihn die Bilder anzusehen. Bei aller Vorsicht, die bei einer Bestimmung nach Bildern angebracht ist, meinte er, dass es sich wohl um Carex melanostachya handeln müsse. Typisch wären die gefurchten Schläuche, die sonst keine andere Art habe.
Da die Art nicht häufig und der Fundort ungewöhnlich ist, möchte ich noch ein paar Bilder bringen. Zuerst zum Fundort: dieser liegt auf einer Böschung unter einem rund einen Meter dicken Rohr. Unter dem Rohr ist die Carex teilweise bestandsbildend, scheint sich aber hauptsächlich vegetativ zu vermehren. Nur einige Teile des Clons gelangen zur Blüte. Anscheinend findet die Carex im Mikroklima unter der Leitung passende Bedingungen vor und kann die anderen Arten weitgehend verdrängen. Neben dem Rohr wächst sie hingegen nicht oder nur ganz vereinzelt.
Über die Herkunft der Population kann man nur spekulieren. Entweder wurde sie (mit der Eisenbahn?) verschleppt, sie könnte aber auch autochthon sein. Bis zur Donauregulierung befand sich hier das Vorland der Donauauen, d.h auch feuchte Wiesen und somit ein passendes Habitat für die Art. Hier ein Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme (von mapire.eu): so sah die Gegend um Floridsdorf vor rund 250 Jahren aus. Der gelbe Punkt markiert den Fundort:
Neilreich schrieb über ihm bekannte Vorkommen: "In sumpfigen Gruben, Lachen, sehr selten. Bisher nur 2 Standorte auf dem Laaer Berge bekannt; der eine in einer Grube ungefähr in der Mitte der Jagdremisen; der andere, ergiebigere in einer Lache auf der Viehweide zwischen dem Jägerhause und den Remisen. Am Wien-Neustädter Kanal bei Simmering; in einer Lache der Brigittenau unweit des Jägerhauses." Über ein Vorkommen nördlich der Donau schreibt er nichts, war dort aber vermutlich auch nicht oft unterwegs. Neuere Vorkommen in Wien sind vom ehemaligen Bahnhof Breitenlee ("ostsüdöstlich der Kreuzung Schukowitzgasse/Rautenweg auf einer ruderalisierten, ausgetrockneten, ehemaligen Feuchtwiese") und vom Bahnhof Inzersdorf-Metzgerwerke bekannt.
Im folgenden habe ich noch einige weitere Bilder mit Merkmalen angefertigt. Zuerst das Blatthäutchen:
Nachdem ich diese interessante Arbeit gelesen hatte, habe ich noch die Spaltöffnungen untersucht. Auf der Laubblattunterseite befinden sich solche, wie es sich für die Art gehört:
Auf der Laubblattoberseite sind wie zu erwarten keine anzutreffen. Man sieht allerdings Zellen mit dickerer Wand, welche auf einer Seite hornartig ausgebuchtet sind. Kennt sich jemand mit Pflanzenanatomie aus und weiß was das für Zellen sind?
Schöne Grüße,
Stefan
Nachtrag 11.5.2017: Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme hinzugefügt
am Samstag traf ich auf einer Exkursion Karl Oswald und bat ihn die Bilder anzusehen. Bei aller Vorsicht, die bei einer Bestimmung nach Bildern angebracht ist, meinte er, dass es sich wohl um Carex melanostachya handeln müsse. Typisch wären die gefurchten Schläuche, die sonst keine andere Art habe.
Da die Art nicht häufig und der Fundort ungewöhnlich ist, möchte ich noch ein paar Bilder bringen. Zuerst zum Fundort: dieser liegt auf einer Böschung unter einem rund einen Meter dicken Rohr. Unter dem Rohr ist die Carex teilweise bestandsbildend, scheint sich aber hauptsächlich vegetativ zu vermehren. Nur einige Teile des Clons gelangen zur Blüte. Anscheinend findet die Carex im Mikroklima unter der Leitung passende Bedingungen vor und kann die anderen Arten weitgehend verdrängen. Neben dem Rohr wächst sie hingegen nicht oder nur ganz vereinzelt.
Über die Herkunft der Population kann man nur spekulieren. Entweder wurde sie (mit der Eisenbahn?) verschleppt, sie könnte aber auch autochthon sein. Bis zur Donauregulierung befand sich hier das Vorland der Donauauen, d.h auch feuchte Wiesen und somit ein passendes Habitat für die Art. Hier ein Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme (von mapire.eu): so sah die Gegend um Floridsdorf vor rund 250 Jahren aus. Der gelbe Punkt markiert den Fundort:
Neilreich schrieb über ihm bekannte Vorkommen: "In sumpfigen Gruben, Lachen, sehr selten. Bisher nur 2 Standorte auf dem Laaer Berge bekannt; der eine in einer Grube ungefähr in der Mitte der Jagdremisen; der andere, ergiebigere in einer Lache auf der Viehweide zwischen dem Jägerhause und den Remisen. Am Wien-Neustädter Kanal bei Simmering; in einer Lache der Brigittenau unweit des Jägerhauses." Über ein Vorkommen nördlich der Donau schreibt er nichts, war dort aber vermutlich auch nicht oft unterwegs. Neuere Vorkommen in Wien sind vom ehemaligen Bahnhof Breitenlee ("ostsüdöstlich der Kreuzung Schukowitzgasse/Rautenweg auf einer ruderalisierten, ausgetrockneten, ehemaligen Feuchtwiese") und vom Bahnhof Inzersdorf-Metzgerwerke bekannt.
Im folgenden habe ich noch einige weitere Bilder mit Merkmalen angefertigt. Zuerst das Blatthäutchen:
Nachdem ich diese interessante Arbeit gelesen hatte, habe ich noch die Spaltöffnungen untersucht. Auf der Laubblattunterseite befinden sich solche, wie es sich für die Art gehört:
Auf der Laubblattoberseite sind wie zu erwarten keine anzutreffen. Man sieht allerdings Zellen mit dickerer Wand, welche auf einer Seite hornartig ausgebuchtet sind. Kennt sich jemand mit Pflanzenanatomie aus und weiß was das für Zellen sind?
Schöne Grüße,
Stefan
Nachtrag 11.5.2017: Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme hinzugefügt
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